Hier beginnt die Revolution


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Suleikas Gebet

Du ließest, Herr, mich schön und blühend werden,
Aus meinem Spiegel glänzt ein schlankes Weib,
Du schmücktest mich mit lieblichen Geberden,
Mit schwellend süßem Reiz den jungen Leib.

Du gabst das finst’re deiner Nacht den Haaren,
Der Nacht in meinem Blick den Sternenglanz,
Des Busens weißen Rosen zu bewahren
Gabst du der Liebe Duft und Leuchten ganz.

Aus weißem Schnee hast du den Arm gerundet,
Geschwellt mit rother Gluth die Lippen mir,
Hast in der Seele Geist mir angezündet:
Du gabst so viel, o Herr! ich danke dir.

Ich danke dir, daß ich mit stolzem Geize
Des Leibes holde Schönheit keusch gespart,
Bis daß der kühne Herr kam meiner Reize,
Der wie ein König frei damit gebahrt.

Ich danke dir für diesen Schnee der Glieder,
Für dieses Auges und der Lippen Pracht,
Für all’ die Gluthen, wogend auf und nieder,
Ich danke dir – weil’s ihn so glücklich macht.

                                                             Ludwig August Frankl

Schlag die Tschadra zurück.

Schlag die Tschadra zurück! Was verhüllst du dich?
Verhüllt auch die Blume des Gartens sich?
Und hat dich nicht Gott, wie der Blume Pracht,
Der Erde zur Zierde, zur Schönheit gemacht?
Schuf er all’ diesen Glanz, diese Herrlichkeit,
Zu verblühen in dumpfer Verborgenheit?

Schlag die Tschadra zurück! Laß alle Welt seh’n,
Daß auf Erden, wie du, Kind, kein Mädchen so schön!
Laß die Augen herzündende Funken sprüh’n,
Laß die Lippen im rosigen Lächeln glüh’n,
Daß dich, Holde, kein anderer Schleier umschwebt.
Als mit dem dich das Dunkel der Nächte umwebt!

Schlag die Tschadra zurück! Solch ein Antlitz sah
Nie zu Stambul das Harem des Padischah -
Nie säumte zwei Augen so groß und klar,
Der langen Wimpern seidenes Haar -
Drum erhebe den Blick, schlag die Tschadra zurück!
Dir selbst zur Triumphe, den Menschen zum Glück!

                                                                                 Friedrich Bodenstedt

Anmerkung: Diese Verse wurden 1865 geschrieben. Passen sie nicht auch in die heutige Zeit?

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Wenn zum Tanz die jungen Schönen.

Wenn zum Tanz die jungen Schönen
Sich im Mondenscheine drehen,
Kann doch keine sich so lieblich
Und so leicht wie meine drehn!

Daß die kurzen Röcke flattern,
Und darunter, rot bekleidet,
Leuchtend wie zwei Feuersäulen
Sich die vollen Beine drehn!

Selbst die Weisen aus der Schenke
Bleiben steh’n vor Lust und Staunen,
Wenn sie, spät nach Hause schwankend,
Sich berauscht vom Weine drehn!

Auch der Muschtahid, der fromme,
Mit den kurzen Säbelbeinen,
Spricht: So lieblich wie Hafisa
Kann im Tanz sich Keine drehn!

Ja, vor dieser Anmuth Zauber,
Vor Hafisas Tanzesreigen,
Wird sich noch berauscht die ganze
Gläubige Gemeine drehn!

Und was in der Welt getrennt lebt
Durch verjährten Sectenhader,
Wird sich hier versöhnt mit uns in
Liebendem Vereine dreh’n!

Oh, Mirza-Schaffy! welch Schauspiel,
Wenn die alten Kirchensäulen
Selber wanken, und sich taumelnd
Um Hafisas Beine dreh’n!

                                                Friedrich Bodenstedt

Unruhe

Bei den Bienenkörbchen im Garten,
Wo der Flieder in Düften steht,
Da will mein Schatz auf mich warten,
Wenn die Sonne zur Rüste geht.
Da summen die Bienen im goldenen Schein
Und sie summen heraus und sie summen herein,
Bei den Bienenkörben im Garten,
Wo der Flieder in Düften steht.

Nun sind die Gedanken alle
Mir schwer auf dem fröhlichen Flug,
Bis der lange Tag mir verhalle,
Bis daß mir die Stunde schlug!
Und sie summen herein und sie summen heraus,
Und mein Kopf ist schier wie ein Bienenhaus,
Bis der lange Tag mir verhalle,
Bis daß mir die Stunde schlug!

                                                                                  Otto Roquette

Die Tage der Rosen

Noch ist die blühende, goldene Zeit
O du schöne Welt, wie bist du so weit!
Und so weit ist mein Herz, und so blau wie der Tag,
Wie die Lüfte, durchjubelt vom Lerchenschlag!
Ihr Fröhlichen singt, weil das Leben noch mait.
Noch ist ja die schöne, die blühende Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!

Frei ist das Herz und frei ist das Lied,
Und frei ist der Bursch, der die Welt durchzieht,
Und ein rosiger Kuß ist nicht minder frei,
So spröd’ und verschämt auch die Lippe sei!
Wo ein Lied erklingt, wo ein Kuß sich beut,
Da heißt’s: Noch ist blühende, goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!

Ja, im Herzen tief ist Alles daheim,
Der Freude Saaten, der Schmerzen Keim.
Drum frisch sei das Herz und lebendig der Sinn,
Dann brauset ihr Stürme, daher und dahin!
Wir aber sind allzeit zu singen bereit:
Noch ist ja die blühende, goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!

                                                                                  Otto Roquette

Aus Amaranths stillen Liedern

Es muß was Wunderbares sein
Um´s Lieben zweier Seelen!
Sich schließen ganz einander ein,
Sich nie ein Wort verhehlen!
Und Freud’ und Leid und Glück und Noth
So miteinander tragen,
Vom ersten Kuß bis in den Tod
Sich nur von Liebe sagen!

Ich will mich in dein Herz gewöhnen
Das ich erfülle deinen Willen;
Will nur dir leben zum Versöhnen
Dir muthig jede Thräne stillen,
Und was dich freuen mag vom Tage,
Will froh am Abend ich dir sagen,
Und alles Trübe, alle Klage
Will ich allein verschwiegen Tragen.

                                                    Oscar von Redwitz

Gondoliera

O komm zu mir, wenn durch die Nacht,
Wandelt das Sternenheer;
Dann schwebt mit uns in Mondespracht
Die Gondel über’s Meer.
Die Luft ist weich wie Liebesscherz,
Sanft spielt der goldne Schein,
Die Cither klingt und zieht dein Herz
Mit in die Lust hinein.
O komm zu mir, wenn durch die Nacht
Wandelt das Sternenheer;
Dann schwebt mit uns in Mondespracht
Die Gondel über’s Meer.

Das ist für Liebende die Stund’,
Liebchen, wie ich und du;
So friedlich blaut des Himmels Rund,
Es schläft das Meer in Ruh’,
Und wie es schläft, da sagt der Blick,
Was keine Zunge spricht,
Die Lippe zieht sich nicht zurück
Und wehrt dem Kusse nicht.
O komm zu mir, wenn durch die Nacht,
Wandelt das Sternenheer;
Dann schwebt mit uns in Mondespracht
Die Gondel übers Meer.

                                                              Emanuel Geibel

Zählt ein Frosch mehr … als ein Baby?

Die folgende Geschichte habe ich in dem Buch:

„Sprechende Bilder – aus der Journalisten-Schatztruhe“
von Joachim Siegerist

gefunden. Ich hatte mit meinen 71 Jahren Tränen in den Augen als ich diese Geschichte gelesen habe, aber ich schäme mich nicht dafür.

Und hier ist sie nun:

„Mein Bauch gehört mir“- ein STERN-Titel der „Achtundsechziger“, den ich schon als junger Mann schrecklich fand. Junge, hübsche Frauen, die damit sagen wollten: „Wann immer ich will – dann kann ich mit meinem Baby da drinnen Schluss machen, dem Kind das Licht ausblasen.“ Die Doppelmoral der Linken bleibt für mich bis heute unverständlich. Ich liebe das Leben so wie es ist und wie der Herrgott mich geschaffen hat – bin alles andere als ein „Spießer“. Doch wie reimt sich das zusammen? Babys im Mutterleib können umgebracht werden – wie junge Katzen, die der Bauer im Dorfteich ersäuft – aber für wandernde Frösche bauen wir Brücken. Für das Abholzen von Krüppelgewächs und Bäumen am Straßenrand stellen fanatische Umweltschützer Holzkreuze auf, demonstrieren, halten Mahnwachen.
1991 – eigentlich viel zu spät – ließ ich im Mutterleib umgebrachte Baby ist in Plastik nachbilden – so, wie sie wirklich aussehen. ….
Das Plastik-Baby verschickte ich damals an Hunderttausende von Empfängern. Dazu diesem Text:

Mama – warum hast du das getan?

22. Juni 1991
Heute hat mein Leben begonnen. Doch meine Eltern wissen es noch nicht. Ich bin noch kleiner als ein Apfelkern, aber schon unverwechselbar ich. Es ist jetzt klar:Ich werde ein Mädchen sein – ein Mädchen mit blonden Haaren und blauen Augen.
6. Juli 1991
Ein bisschen größer bin ich schon geworden, aber immer noch zu klein, um irgend etwas aus eigener Kraft zu tun. – Mutter tut alles für mich. Dabei hat sie doch immer noch keine Ahnung, dass es mich in ihrem Bauch gibt und dass mich Ihr Blut wachsen lässt.
12.Juli 1991
Jetzt beginnt mein Mund einen Mund zu werden. In einem Jahr kann ich damit fröhlich lachen. Und ein wenig später auch sprechen. Ich weiß schon, welches mein allererstes Wort sein wird – Mama. Wer behauptet eigentlich, dass sich heute noch kein Mensch bin? Und ob ich’s bin. Genauso wie ein Krümelchen Brot auch Brot ist.
16. Juli 1991
Heute hat mein Herz angefangen zu schlagen. Von nun an wird es in gleichmäßigen Takt mein Leben lang klopfen, bis es nach vielen Jahren müde wird und stehen bleibt. – dann bin ich tot. Aber dieses Ende ist noch so lange hin, ich stehe ja erst am Anfang.
22. Juli 1991
Jeden Tag wachse ich ein bisschen. Meine Arme und Beine bekommen allmählich Form. Aber ich werde noch lange brauchen, bis ich mit diesen Beinen zu Mama laufen kann, bis ich die Arme um Papas Hals legen kann.
1. August 1991
An meinen Händen bilden sich winzige Finger. Eines Tages werden sie eine Puppe halten, einen Ball werfen, eine Blume pflücken und andere Hände anfassen. Meine Finger. Ob sie vielleicht einmal auf einer Geige spielen oder ein Bild malen werden?
9. August 1991
Heute hat der Doktor meiner Mutter gesagt, dass es mich gibt. Bist Du glücklich darüber, Mama? Du musst noch warten, bis Du mich in Deinen Armen wiegen kannst.
14. August 1991
Mama und Papa wissen nicht, dass ich ein Mädchen bin. Vielleicht warten sie auf einen Sohn. Oder auf Zwillinge. Ich werde sie bestimmt überraschen.
27. August 1991
Ich habe schon ein richtiges Gesicht. Hoffentlich sehe ich einmal so aus wie meine Mutter.
31. August 1991
Wenn es nicht so stockdunkel um mich herum wäre, könnte ich schon sehen. Aber bald werden meine Augen die Welt draußen wahrnehmen können – Sonnenschein, Blumen und kleine Kinder. Wie wird das mehr aussehen, wie die Berge? Und vor allem: Mama, wie siehst Du aus?
11. September 1991
Mama, ich kann Dein Herz schlagen hören. Nimmst du auch mein leises Tap-tap, Tap-tap wahr? Du wirst eine ganz gesunde kleine Tochter haben. Manche Babys haben es schwerer, in die Welt hineinzukommen. Da können freundliche Ärzte helfen. Aber manche Mütter, glaube ich, wollen ihre Kinder gar nicht haben. – Ich jedenfalls kann es kaum erwarten, auf Deinen Armen getragen zu werden. Dein Gesicht anzufassen und Dich anzusehen. Ob Du auch so gespannt auf mich wartest wie ich auf Dich?
16. September 1991
Mama, warum hast du das getan? Warum hast du es zugelassen, dass sie mein Leben nahmen? Wir hätten es doch so schön zusammen haben können.

Deine Anja

P. S. Vielleicht werden wir uns eines Tages doch noch sehen.

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